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Kleine Shantykunde

Was sind Shantys?
Nicht jedes Lied von Wind, Wellen und Meer ist ein Shanty.
Aber ein Shanty-Chor sollte auch Shantys singen können, denn wo Shanty draufsteht, da sollten auch Shantys drin sein!

Was aber sind Shantys? Im Bereich maritimer Lieder unterscheidet man zwischen Seemannsliedern, Forebittern (auch Forecastles genannt) und Shantys. Die über Generationen hinweg bekannt gewordenen und beliebten zahlreichen Spaß- und Schunkellieder aus der Seefahrt gehören zu den populären Seemannsliedern, wie sie uns von all den bekannten Schlagerstars der Branche, wie z.B. Hans Albers, Freddy Quinn, Lolita, Lale Andersen u.v.a.m. gesungen wurden.
Sie beschreiben mehr romantisch verklärt das früher auf den Segelschiffen sehr harte und entbehrungsreiche Leben auf See. Forebitter ("Pollerlieder") sind ähnlich einzustufen. Der Name stammt aus dem Angelsächsischen. "(Fore-)bitts" ist die englische Bezeichnung für Poller. Während die Seemannslieder vorwiegend an Land von den "Landratten" gesungen wurden, erklangen Forebitter an Bord, gesungen von Mitgliedern der Schiffs-Besatzung nach getaner Arbeit in entspannter Atmosphäre, oft oben an Deck bei ruhiger See, untergehender Sonne und angenehmen Temperaturen. Hier traf man sich auf der Back, saß auf dem Ankerspill oder auch auf Pollern und sang Volkslieder, oft melancholische Lieder und Balladen von der Heimat und von fremden Ländern, von anmutigen, fremdländischen Mädchen und von der Liebe, von Aberteuern aus der Goldgräberzeit und dem Bau der Eisenbahn, von den Holzfällern, den Arbeitern auf den Baumwollfeldern und den Sklaven des fernen Amerika, sowie von berühmt gewordenen Männern der Geschichte und ihren Abenteuern und Schlachten. Man konnte für eine kurze Zeit den harten Arbeitsalltag vergessen und hing ganz einfach seinen Träumen nach. Soweit vorhanden, wurden diese Lieder auch musikalisch begleitet (Mundharmonika, Akkordeon, Geige, Gitarre, Banjo, Trommeln oder auch mit einer Teufelsgeige). Shantys hingegen sind reine Arbeitslieder.
Wir kennen das, wenn schwere Arbeiten zu verrichten sind, dass alle mit anfassen und einer gibt das Kommando: "Zu-gleich" oder "Hau ruck!" So gab es auch an Bord einen Vorsänger, den Shantyman, der gewissermaßen die kurzen Arbeits-Pausen mit Versen ausfüllte, in denen sich die an der Arbeit beteiligte Arbeitsgruppe auf den nächsten Arbeitseinsatz (Zug, Druck) konzentrierte. Entscheidend war dabei, dass die zu verrichtende Arbeit gleichzeitig unter gemeinsamer Kraftanstrengung angegangen wurde. Das Singen half dabei, fest zuzupacken und den Arbeitsgang bis zur nächsten Verschnaufpause bzw. bis zum nächsten Einsatz des Vorsängers unerbittlich durchzuhalten.
Viele der an Bord zu verrichtenden Arbeiten waren extrem schwer, da war jeder Mann und jede starke Hand gefordert. Für die zu vollziehenden Arbeiten - Segel setzen oder einholen, das Hieven und Brassen der Rahen, den Anker hieven, das Betätigen der Pumpen, beim Ballastwerfen, beim Kornschaufeln, beim Baumwollstauen - benötigte man wegen der unterschiedlichen Arbeitsvorgänge auch unterschiedliche Shantys. Bei leichteren Arbeiten, wie z.B. dem Holen oder dem Setzen der Topsegel oder der leichten Stagsegel sang man schnelle Shantys (Short drag oder short haul-shanties oder Hand-über-Hand-Shantys), für die schweren Arbeiten des Hievens oder Einholens der großen Segelflächen, bzw. für das Hieven und Stellen der Rahen, sowie das Hieven des Ankers sang man langsame Shantys (Long drag oder halyard-shanties oder walkaway-shanties). Für das Lichten (Heben) des Ankers bzw. das Fieren (Fallen lassen) des Ankers hatte man spezielle Shantys.
Die Arbeit an der schweren Ankerkette erfolgte mit Hilfe von Winden (das Gangspill/Capstan oder Windlass). Die Betätigung der (Capstan-)Winde erfolgte durch Rundherumlaufen von mehreren Männern um die Winde, wobei sie ihre ganze Kraft auf Spillspaken(Handspaken) vor ihrer Brust übertrugen. Das Hieven des Ankers mit der schweren Ankerkette erfolgte zu Beginn etwas schneller; man hievte ja zunächst "nur" das Schiff näher an den Anker heran. Dazu wurden schnellere Gangspill-Shantys gesungen. Das Tempo ließ nach, wenn das Schiff dem Anker näher kam und die Last größer wurde. Entsprechend angepaßt wurden dann langsamere Lieder gesungen, wie z.B. "Rolling home", "Shenandoah" und der "Sacramento-Song".
Eine weitere spezielle Art von Shantys waren die sogenannten Whaling-Shantys, die bei der besonders herausfordernden und gefahrvollen Arbeit des Walfangs gesungen wurden. Eine weitere spezielle Art von Shantys entwickelte sich aus der Freude heraus, nach einer längeren, oft jahrelangen Fahrenszeit nunmehr endlich die Heimfahrt antreten zu können, die sogenannten Homewardbound-Shantys, wie z.B. "Rolling home" bei den Australienfahrern oder "Goodbye Fare-ye-well" auf Seglern, die von den Salpeterhäfen Chiles die Heimfahrt antraten oder "Spanish Ladies" zunächst bei den Matrosen der britischen Royal Navy, und dann auch von den Seefahrern der britischen Handelsflotte gesungen. Diese Shantys sind in ihrer Funktionalität identisch mit den Halyard-Shantys und den Capstan-Shantys.
Welches Shanty wann gesungen wurde, ist nicht festgelegt und war schon gar nicht einheitlich. Das hatte der sehr einfallsreiche und flexible Vorsänger weitestgehend in der Hand; er wählte das Shanty, mit dessen Unterstützung die zu verrichtende Arbeit am besten gelingen konnte. Für besondere Anlässe gab es auch spezielle Shantys an Bord, z.B. das Zeremonien-Shanty "The Dead Horse". Eine weitere besondere Art des Gesangs/Shantys war das "Bunt-" oder "Bauch-Shanty" bei Arbeiten oben an der Rah, z.B. beim Bergen und Verstauen der Segel. Dies geschah oftmals mit viel Wut im Bauch und ohne Vorsänger. Hierbei konnte man seinen ganzen Frust heraussingen. Der erste Hinweis auf das Singen von Arbeitsliedern beim Holen eines Taus und auf die Existenz eines Vorsängers findet sich in dem Werk des Dominikanermönchs Felix Fabri aus Ulm, der 1493 auf einer venezianischen Galeere nach Palästina segelte.
Im "Zeitalter der Abenteurer" (Anfang des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts) war Holländisch die seemännische Umgangssprache des Nordens, Spanisch die des Südens. Aus dieser Zeit sind nur sehr bruchstückhaft Liedertexte und Noten erhalten. Man findet einige Balladen, die das Leben an Bord und auf hoher See beschreiben. Vom 18. Jahrhundert an, als die Schiffsbesatzungen international gemischt wurden, gab man alle Kommandos in Englisch oder Pidgin-Englisch. Dass es außerhalb des englischen Sprachraums auch viele Shantys anderer zur See gefahrener Nationen gibt, soll hier nur erwähnt werden. Der Vollständigkeit halber sei hier darauf hingewiesen, dass der Shanty-Chor Brinkum natürlich auch all die schönen und bekannten Seemannslieder und "Pollerlieder" singt, und das, wie gewohnt, in einer einzigartigen Qualität. Da sind so richtige "Hinhörer" dabei! Gelegentlich, oder bei öffentlichen Veranstaltungen des öfteren, dürfen dann aber auch ein paar echte Shantys dabei sein. Das hat schließlich auch seinen Reiz und seine Faszination; geben sie doch die authentischen Songs wieder, wie sie tagtäglich auf den Segelschiffen zu hören waren. Der Mythos lebt fort, solange die letzten stolzen Windjammer noch die Meere befahren und sich immer mal zu maritimen Anlässen in den Häfen zeigen. Shanty-Chöre haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Tradition und die Erinnerung an diese an Abenteuern so reiche Zeit durch ihr Liedgut zu pflegen und aufrecht zu erhalten. Dabei ist den Chören sehr wohl bewußt, dass viele der wunderschönen Lieder ein sehr romantisches Bild von der Seefahrt früherer Tage zeichnen und dass es gerade die als kulturelles Erbe geltenden echten Shantys sind, die in ihren Versen andeuten, wie hart, erbarmungslos, entbehrungsreich, gefahrvoll und unberechenbar so eine Fahrt zur See tatsächlich war.

So singen wir gern und mit viel Freude, dem jeweiligen Anlaß entsprechend, bekannte Seemannslieder und "Pollerlieder" und auch einige der heute noch bekannten echten Shantys einer unwiederbringlichen, der Vergangenheit angehörenden Zeit. Hier sind einige Titel der vom Shanty-Chor Brinkum gesungenen echten, alten und schönen Shantys.

- A long time ago (Halyard-Shanty; Fall-Shanty)
- Blow ye winds (Walkaway - und Capstan-Shanty)
- Can't you dance the polka (Capstans-Shanty)
- Dead horse (Zeremonien-Shanty)
- De Hoffnung (A long time ago); (Halyard-Shanty; Fall-Shanty)
- De Kock (Fall- und Gangspill-Shanty)
- Die Islandfischer (Forebitter der Island-Kabeljaufischer)
- Hamborger Veermaster (Sacramento-Song); (Capstan-(Gangspill-) und Fall-Shanty)
- His em up (Gangspill- (Capstan-) Shanty)
- In Amsterdam (Aroving) = (Pump- und Capstan-Shanty)
- In der Kneipe am Moor (Capstan-(Gangspill-) und Fall-Shanty)
- John Kanaka (Capstan-(Gangspill-) und Fall-Shanty)
- Johnny come back to Hilo (Capstan-(Gangspill-) und Fall-Shanty)
- Johnny, Johnny (Pump- und Capstan-Shanty)
- Lowlands (mit kurzem Refrain ein Halyard-Shanty; mit längerem Chorsatz ein   Walkaway- und Capstan-Shanty); auch als Pump-Shanty bekannt
- Magelhan (Gangspill- (Capstan-) Shanty), sonst wie Rolling home
- Mingulay Boatsong (Capstan-Shanty)
- Rolling home (Homewardbound-Shanty)
- Rolling sea (Capstan-(Gangspill-) und Fall-Shanty)
- Sally Brown (Capstan- und Halyard-Shanty)
- Santy Anno (Walkaway-, später auch Windlass- und Capstan-Shanty)
- Shenandoah (Capstan- und Windlass-Shanty)
- Spanish Ladies (Forebitter, manchmal als Anker-Shanty gesungen)
- The drunken sailor (Walkaway-Shanty)
- The Ebenezer (Pump-Shanty)
- The Leaving of Liverpool (Forebitter)
- The Rosabella (Pump- und Capstan-Shanty)
- Up she goes (Baltimore) (Capstan-(Gangspill-) und Fall-Shanty)
- Whisky Johnny (Halyard- und Capstan-Shanty)